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Ich möchte mit Ihnen nachdenken über
- Die Provinz
- kreative Tiefpunkte
Dazu bringe ich Ihnen einen literarischen Text zur Kenntnis, einen Abschnitt
aus dem Versuch über die Müdigkeit, der die passende
inhaltliche Dichte zu diesem Thema schafft. Öffnen Sie dazu die PDF
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Sind Sie wieder da? - Dann also:
Die Provinz
So wie ich sie verstehe und meine, ist die Provinz ein konkreter Ort.
Sie ist ein Ort eigentlich ein Bereich, eine Zone oder ein Gebiet-,
umrissen, abgeschlossen, begrenzt, und doch durchlässig. Die Provinz
ist abgelegen. Das muss aber -wie der Text es zeigt- nicht notwendig bedeuten,
dass sie sich räumlich weit entfernt von unserer normalen Lebensumwelt
befindet. Aber: der Ort hat etwas Herausgenommenes; er reiht sich nicht
ein. Hier verlangsamt sich die Welt. Betrachter-Betrachten-Betrachtetes
entmischen sich so, dass zwischen allen der richtige Abstand herrscht.
Die Provinz ist ein Schutzraum. Hier droht kein Gesichtsverlust. Sie ist
im Bestand unabhängig und ungefährdet, also keine riskante Geschäftsidee.
Sie ist kein magischer Ort, an dem uns das Richtige -oder Falsche- übermannt.
Sie ist im besten Sinne des Wortes ein Ort der Konzentration und Reduktion,
und eben: ein Open Space.
Kreative Tiefpunkte sind Tiefpunkte der Kreativität
sind kreative Tiefpunkte:
Wenn man diesem Spiel mit den Begriffspaaren hinterherhört, stellt
man fest, dass hier Ambivalenz ausgesagt ist. Das sollte auch der Text
von der Müdigkeit zeigen. Eins kann also ins andere sich wenden,
wächst aus dem anderen heraus, schlägt ins andere um. Um diese
Wendepunkte geht es, denn sie sind der Ort an denen Authentizität
entsteht.
Ideen als Ausdruck authentischer Kreativität sind der kleinste mit
bloßem Auge zu erkennende Fortschritt von Entwicklungen und Veränderungen.
Also: Nur am kreativen Tiefpunkt in dieser oder jener Form kommt das Neue
in die Welt!
Wenn sie neu sind, haben Ideen eine Art inspirierter Qualität, über
die sich nicht verfügen lässt. Lässt sich für die
Zielsetzung solch einer Provinz aber vielleicht das Paradoxon denken,
dass sich zu einer Kultur entwickeln könnte, über Unverfügbares
nicht zu verfügen und es doch zu meinen?
Was man dazu tun kann: Man kann offene Räume anbieten, Provinzen
eben, Enklaven: man kann Bedingungen und eine Atmosphäre schaffen,
die einladen, mit gutem Gewissen vor allem erst einmal fröhlich-ratlos
(wie in der Müdigkeit) zu sein. Ich glaube, für alle und alles
wäre es gut, wenn man sich in dieser Überzeugung zusammentäte.
Was einem oder vielen aus dieser Haltung einfiele, das hätte was!
Nicht nur individuell, auch gesellschaftlich, politisch, kulturell sind
wir an einem Punkt, der zu den schlimmsten Befürchtungen und
zu den größten Hoffnungen Anlass gibt. Ich vermute, daß
mit der Idee der Provinz ein Schritt dazu getan werden kann, dass sich
eine Kultur entwickelt, die Raum für die Möglichkeit schafft,
dass sich Dinge aus schierer Ratlosigkeit heraus zum Besseren wenden (lassen)
-ohne, dass wir jetzt wüssten, wie das Bessere aussehen wird.
Die Provinz sollte ein auf kurzen Wegen erreichbarer, urbaner und abgeschiedener
Ort sein, der es Menschen unterschiedlicher Berufs- und Lebenskulturen
ermöglicht, sich vor allem alltäglich, aber auch zu besonderen
Gelegenheiten zu begegnen, in einer Atmosphäre verbindlicher Unverbindlichkeit.
Sie sollte permanent zugänglich sein für einzelne und Gruppen,
die mit der Idee von der Kreativität, die am Tiefpunkt wächst,
einverstanden sind.
Als Modell einer Organisationsform gefiele mir persönlich gut die
Idee der englischen Clubs- vielleicht in einer etwas entstaubten und dann
doch wieder programmatischeren Form. Aber damit soll nichts vorweggenommen
werden, was noch der Diskussion bedarf.
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